Schon ein alltägliches Wort kann Schwierigkeiten verursachen.
So kann sich teilweise entweder auf einen Teil einer
Gruppe oder auf das Ausmaß eines Vorgangs oder Zustands
beziehen. Diese Lesarten können ganz unterschiedliche
Betriebszustände beschreiben.
Betrachten wir als Beispiel ein System mit mehreren Ventilen,
die getrennte Strömungswege steuern. In einer bestimmten
Betriebsphase sind ausgewählte Ventile vollständig geöffnet,
während die übrigen geschlossen bleiben. Angenommen, die
deutsche Beschreibung fasst dies so zusammen:
„Die Ventile sind teilweise geöffnet.“
Isoliert betrachtet erscheint „The valves are partially open“
als naheliegende Übersetzung. Der Satz ist grammatisch
korrekt, verwendet geläufige technische Begriffe und
beschreibt einen durchaus plausiblen Ventilzustand.
Im genannten Zusammenhang vermittelt er jedoch die falsche
Information. „Partially open“ bezeichnet eine Stellung
zwischen geschlossen und vollständig geöffnet. Die deutsche
Passage bezieht sich dagegen auf einen Teil der Ventile.
„Some of the valves are open“ gibt diese
Unterscheidung richtig wieder. Wer sich auf die unzutreffende
englische Fassung verlässt, könnte annehmen, dass das System
den Durchfluss durch Zwischenstellungen der Ventile begrenzt.
Tatsächlich beschreibt die Passage jedoch die Auswahl der
geöffneten Strömungswege.
Die entscheidende Arbeit erfolgt, bevor dieser kurze englische
Satz feststeht. Der Übersetzer muss den Betriebsablauf
nachvollziehen und die Passage mit der Beschreibung der
Ventilzustände abgleichen, um festzustellen, worauf sich
teilweise bezieht. Werden bestimmte Ventile im
deutschen Text ausdrücklich als vollständig geöffnet und
die übrigen als geschlossen beschrieben, stützt dies die
Lesart, dass nur einige Ventile geöffnet sind. Eine Zeichnung
kann helfen, die Ventile und ihre Verbindungen zuzuordnen.
Eine statische Darstellung allein lässt jedoch nicht unbedingt
erkennen, welche Stellung sie in der betreffenden
Betriebsphase einnehmen.
Technische Recherche hilft, zwischen der Auswahl geöffneter
Ventile und der Veränderung ihrer Öffnungsgrade zu
unterscheiden. Ein allgemeines technisches Nachschlagewerk
kann diese Betriebsweisen erläutern; welche davon gemeint
ist, muss sich jedoch aus dem Patent selbst ergeben. Ebenso
darf eine für ein Ausführungsbeispiel gezeigte Anordnung nicht
ohne Weiteres auf allgemeinere Formulierungen an anderer
Stelle übertragen werden.
Manchmal lässt sich die Frage anhand des Ausgangstextes nicht
eindeutig klären. Bleiben beide Lesarten möglich oder
widersprechen sich einzelne Passagen, ist eine gezielte
Rückfrage oder ein ausdrücklicher Hinweis auf die Unklarheit
angebracht. Wer stillschweigend die am schlüssigsten wirkende
Erklärung auswählt, riskiert, den Offenbarungsgehalt zu
verändern.
Für Auftraggeber ist diese Unterscheidung auch bei der
Beurteilung einer Revision wichtig: Die sprachliche
Überarbeitung des Englischen und die Prüfung der technischen
Aussage sind unterschiedliche Aufgaben. Bei einer Revision
muss geprüft werden, ob die englische Fassung das vermittelt,
was der deutsche Ausgangstext tatsächlich trägt. Auch wenn
nur ein Auszug übersetzt werden soll, liefern die zugehörige
Beschreibung und die relevanten Zeichnungen hierfür eine
Grundlage, die ein flüssig formulierter Satz allein nicht
bieten kann.